Poltergeister

Der Poltergeist, der auch im englischen Sprachgebrauch mit seinem deutschen Namen bezeichnet wird, verdankt diesen seiner Lieblingstätigkeit, "Poltern", das heißt Lärm durch Zerschlagen oder Herumschleudern von Gegenständen zu erzeugen,
zu klopfen oder zu klappern, zu schelten oder zu prahlen.
Er ist in der Regel unsichtbar und besitzt einen äußerst komplexen Charakter.

Harry Price, der große Experte auf diesem Gebiet hat Poltergeister in der ausführlichen Untersuchung "Poltergeist Over England" (1945) treffend beschrieben:
“Ein Poltergeist ist ein angeblicher Geist, ist Element, Ding, Werkzeug, zweitrangige Persönlichkeit, Intelligenz, Macht, Geist, Kobold oder Vertrauter mit gewissen unerfreulichen Eigenschaften.
Während der gewöhnliche Geist unserer Geschichtensammlung ein ruhiger, passiver, schwacher, geräuschloser und ziemlich wohlwollender Geist ist, mit freundlichen Gefühlen gegenüber den leibhaftigen Bewohnern jedes Ortes, wo er haust,
ist der Poltergeist genau das Gegenteil davon.
Den vielen Berichten über seine Aktivitäten zufolge, und zwar in allen Ländern und zu allen Zeiten, ist der Poltergeist missgünstig, destruktiv, lärmend, grausam, unberechenbar, diebisch, protzig, ziellos, listig, nutzlos, hämisch, unverfroren, neckisch, übelwollend, boshaft, mitleidslos, einfallsreich und ein Blutsauger dazu.
Ein Geist "spukt", ein Poltergeist "verseucht".
Ein Geist liebt die Einsamkeit, ein Poltergeist zieht die Geselligkeit vor.
Ein Geist sucht das Dämmerlicht, ein Poltergeist "produziert sich" im Tageslicht.”

Kurz gesagt: Der Poltergeist ist als "Radaugeist" bekannt, der
sehr häufig mit einem oder über einen Jugendlichen kommuniziert.
Dieser Zusammenhang hat zu der Theorie geführt, dass die Poltergeister die besondere Energie der Jugend brauchen, um tätig werden zu können.
Harry Price führt weiter dazu aus:
“Poltergeister sind aufgrund von Gesetzmäßigkeiten, die unseren Physikern
bislang unbekannt blieben, in der Lage, von lebenden Personen Energie zu beziehen, häufig von Jugendlichen, auffallend oft von weiblichen Heranwachsenden, besonders dann, wenn diese an irgendeiner Geistesstörung leiden.
Sie scheinen die Fähigkeit zu besitzen, junge Menschen als Stützpunkt, Hebel oder Rückhalt auszunutzen, um diese Energie zu steigern oder zu erhalten sowie ihre Kraft intelligent einzusetzen.
Sie sind in der Lage, diese Macht auf telekinetische Weise zur gewaltsamen Fortbewegung oder Verlagerung von Gegenständen auszuüben, mit dem Ziel der Zerstörung und insbesondere zur Erzeugung der unterschiedlichsten Geräusche,vom “Knistern” eines Seidenhemdes bis zur Explosion, die die Fensterscheiben klirren läßt.”

Sogar Gerichte wurden bereits durch Poltergeist-Aktivitäten beschäftigt,
hier eine kleine Kuriosität:
Die Geschichte des Poltergeistes, der vor britischen Gerichten Rechtsstatus gewann, ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten:
Zu Beginn dieses Jahrhunderts mietete der englische Dichter Stephen Phillips (1864-1915) ein abgelegenes Haus in der Nähe von Windsor, wo er Frieden und Ruhe für seine Arbeit zu finden hoffte.
Innerhalb weniger Tage wurde er jedoch von unzähligen Geräuschen geplagt:
Schritte wurden im Haus gehört, Türen öffneten und schlossen sich ohne Grund, Schmerzens- und Verzweiflungsschreie hallten im Gebäude wider.
Unfähig, inmitten eines solchen Getöses zu arbeiten, gab Phillips das Haus auf, und bald darauf wurden seine Erlebnisse in der Landespresse behandelt.
Der Eigentümer des Hauses war empört über diese Publizität und verklagte zwei in die Angelegenheit verwickelte Zeitungen, gewann den Fall und erhielt eine Entschädigung. Als jedoch eine der Zeitungen Widerspruch einlegte, wurde der Beschwerde vom Hohen Gerichtshof stattgegeben.
Obwohl er selbst niemals in den Zeugenstand gerufen wurde, hat sich der Poltergeist von Windsor so einen Platz in der Rechtsgeschichte erobert!

 



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